Dieser Ride sollte eigentlich keine historische Dimension annehmen. Denn John Burke, Präsident von Trek, unternahm zusammen mit Dokumentarfilmerin Rory Kennedy und einigen Freunden eine lockere Radtour am Cape Cod, um ein wenig zu plaudern. Doch die Ruhe an diesem Tag brachte insbesondere zwei Dinge mit sich, die JB nicht mehr loslassen sollten.
Wenige Tage zuvor lauschte er einem Vortrag von Polarforscher Robert Swan, der über die Reiseziele seiner Expeditionen berichtete und ohne Umschweife warnte, dass diese Orte das Jahrhundert nicht ohne dramatische Einschnitte überstehen würden. Swan beendete seinen Vortrag mit einem Satz, der sich JB ins Gedächtnis brannte: „Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird.“
Mit ihrem neuesten Film „Above and Beyond“ erzielte Rory Kennedy eine ähnliche Wirkung. Der Dokumentarfilm dreht sich um ihren Onkel, den früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, die historische Mondmission der NASA und die Daten, die damit zurück zur Erde gelangten. Am Ende des Films werden die alarmierenden Schussfolgerungen der US-Raumfahrtbehörde zum Zustand der Umwelt thematisiert. Steigende Temperaturen. Rekordwerte beim CO₂-Gehalt Brände, Überschwemmungen und eine gefährliche globale Untätigkeit.
Als JB neben Rory Kennedy fuhr, stellte er ihr die Frage, die ihm seit dem Film durch den Kopf ging: „Welche Auswirkungen wird das alles haben?“ Rory antwortete direkt: „Die Fachleute der NASA sagten mir, dass uns zehn Jahre bleiben, um den Klimawandel umzukehren. Meiner Ansicht nach wird man dir in zehn Jahren eine einfache Frage stellen: Hast du oder dein Unternehmen irgendetwas getan, um das Blatt zu wenden? Ja oder nein?“
Als JB wieder in Waterloo war, trommelte er das Führungsteam von Trek zusammen. Seine Anweisung war kurz und ließ keinen Interpretationsspielraum: Trek sollte ein nachhaltiges Unternehmen werden. Und zwar schnell.
Was folgte, war keine glitzernde Marketingkampagne, sondern eine ehrliche Konfrontation mit der Realität. Um Dinge verbessern zu können, brauchte Trek zunächst ein tiefgreifendes Verständnis darüber, worum es eigentlich ging. In einem ersten Schritt arbeitete Trek mit einem auf Nachhaltigkeit spezialisiertem Beratungsunternehmen zusammen, um seine gesamten Emissionen lückenlos zu erfassen.
Aus diesen Ergebnissen wurde ein Zehn-Punkte-Plan erarbeitet, in dessen Rahmen jede Abteilung konkrete CO₂-Einsparpotenziale ermitteln musste. Doch es kam auch etwas anderes zu Tage: die Grenzen des Wandels, der still und leise vor sich geht.
Die Geschichte des ersten Nachhaltigkeitsberichts von Trek
Im Jahr 2021 veröffentlichte Trek als einer der ersten großen Player in der Fahrradbranche einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem das Unternehmen seine Umweltauswirkungen darlegte. Der Bericht zeichnete ein umfassendes Bild – mit allem Guten, allem Schlechten und allen unangenehmen Wahrheiten. Alles andere würde niemandem nutzen. Das Bild war nicht perfekt, aber es war transparent und ehrlich.
Und es setzte eine Debatte in Gang, die weit über Trek hinausging. Die Medien nahmen alles interessiert unter die Lupe. Umweltfachleute äußerten ihre Ansichten. Kundschaft und Mitarbeitende von Trek waren stolz und begannen andere Marken zu fragen, was diese für die Umwelt tun. Andere Unternehmen, die mit derselben Frage konfrontiert waren, die Rory gestellt hatte, begannen damit, ihre eigenen Berichte zu erarbeiten.
In den nächsten Jahren veröffentlichte Trek weitere Berichte mit dem gleichen Maß an Transparenz und noch detaillierteren Bewertungen. Die Debatte in der Branche hielt an und es zeichnete sich ein immer größer werdender Einfluss ab. Als sich Wettbewerber über die Strategien von Trek erkundigten, erteilte Trek bereitwillig Auskunft – zu Design, Beschaffungspraktiken und auch zu den schmerzhaftesten Lektionen, die es auf seinem Weg gelernt hatte.
Ein offensichtlicher Punkt waren Verpackungen. Die für den Versand von Fahrrädern verwendeten Verpackungen bestanden zu einem Großteil aus Einwegplastik, das lange Zeit als unverzichtbar galt. Doch Trek überarbeitete das Design und konnte den Plastikanteil fast vollständig eliminieren. Allein im ersten Jahr wurden so gut 240 Tonnen Abfall vermieden. Dieser Schritt hat etwas Wichtiges deutlich gemacht: Bedeutende Fortschritte erfordern keine Genehmigung, sondern nur entschlossenes Handeln.
Ein Jahr nach Veröffentlichung des ersten Nachhaltigkeitsberichts von Trek war JB bei einem Lieferanten in Asien, der Fahrräder für einen Wettbewerber versandte. Bei den Versandboxen fiel ihm etwas auf: Obwohl die Räder nicht von Trek waren, kam das Verpackungsdesign von Trek zum Einsatz, das ohne Einwegplastik auskommt. Die Mission ging und geht weit über Trek hinaus. Allein darauf kommt es an.