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Scarpe Mie!

Der Schuh, mit dem alles begann: Eugenio Alafacis 2014 Bontrager XXX

Im professionellen Rennradsport mit seiner unbändigen Regulierungswut, die vom Gewicht des Bikes bis hin zur Anzahl der Tische und Steckdosen auf Pressekonferenzen so ziemlich jeden Aspekt des Sports vorschreibt, wird jedes Detail des Teamkits von Offiziellen und Sponsoren gleichermaßen mit Argusaugen auf regelwidrige Logos, unerlaubte Kennzeichnungen und Farben oder, im schlimmsten Fall, auf Fälschungen geprüft.

Während ungefähr 90% dessen, was ein Fahrer im Wettbewerb tragen darf, vorgeschrieben ist, wird die Wahl der Schuhe normalerweise dem Athleten überlassen. Und anders als im Profifußball ist im Pro-Peloton keine dominierende Schuhmarke auszumachen. Keine Swooshs, keine drei Streifen … nur eine Ansammlung von Verschlüssen, Riemen und Boa-Systemen.

Was bleibt einem modebewussten Neu-Profi also übrig, um das stilistische Flair seiner lombardischen Herkunft zu unterstreichen und das brennende Verlangen der Millennium-Generation nach immer spektakuläreren Social-Media-Posts zu befriedigen? Für den italienischen Trek-Segafredo-Fahrer Eugenio Alafaci lag die Lösung auf der Hand: Er beauftragte einen alten Freund mit der künstlerischen Gestaltung seiner Schuhe, die im Internet innerhalb kürzester Zeit für beträchtliche Furore sorgen sollten.

In Eugenios Heimatdorf Carnago, einer Kommune 40 Kilometer vor den Toren Mailands und über die Ländergrenzen hinaus bekannte Bastion der künstlerischen Selbstentfaltung, lebt ein weiterer Vertreter dieser Millennium-Generation namens Alessandro Richetti. Allerdings unterscheidet sich seine Kunst erheblich von der seiner Vorfahren aus der Renaissance. 2014, in Eugenios erstem Jahr als Fahrer der WorldTour, lieh sich Alessandro von seinem Freund ein Paar Bontrager XXX Team Issue-Schuhe. Mit einem Sharpie bewaffnet, machte sich Alessandro an die Arbeit und gestaltete Eugenios Fahrradschuhe, die nach ihrer Fertigstellung auf den Social-Media-Kanälen der Radrennszene für riesigen Wirbel sorgten.

Wir alle haben schon einmal von Tweets gehört, die plötzlich um die ganze Welt gehen, oder von Fotos und Memes, die sich rasend schnell auf diversen Social-Media-Plattformen verbreiten und Teil unseres vernetzten Alltags werden. Dennoch, es ist beinahe unmöglich, solch einen Hype vorsätzlich auszulösen, denn das Publikum, sogar das der Radrennbegeisterten, kann launisch und unberechenbar sein.

Als er die veredelten Schuhe von seinem Freund Alessandro zurückbekam, tat Eugenio genau das, was jeder mit einem Puls und einem Smartphone heutzutage tun würde: Er postete ein Foto davon auf Facebook. Das Team sah das Foto und teilte es, und innerhalb kürzester Zeit wurde der Post in der Fahrradwelt zu einem der meistgeteilten Social-Media-Artefakte des Jahres. Als man im Trek-Hauptquartier in Waterloo, Wisconsin, auf die Schuhe aufmerksam wurde, entsandte man ein Team nach Norditalien, um den Künstler zu treffen und mit ihm über Kunst, Tattoos und Gott und die Welt zu reden.

Das Dorf Carnago liegt inmitten von Hügeln, Tälern und Seen nahe der italienischen Alpen und der Grenze zur Schweiz. Wie kann man von solch einer Kulisse nicht künstlerisch inspiriert werden?

Mit einem schüchternen Lächeln und einer einladenden Geste öffnet uns Alessandro die Tür. Um den Gesprächsfluss etwas einfacher zu gestalten – und entgegen der weitverbreiteten Annahme vieler US-Amerikaner, dass der Rest der Welt schon Englisch sprechen wird –, haben wir unseren italienischen Trek-Vertreter mitgebracht. Sofort gesellt sich Alessandros lebhafte Zwillingsschwester Giulia zu uns. Das sympathische Energiebündel bleibt während unseres Besuchs stets in unserer Nähe, bringt uns Kaffee und beantwortet sogar die eine oder andere Frage für ihren Bruder.

Schnell wird klar, dass zwischen den beiden eine sehr enge Verbundenheit besteht. Aber während Alessandro der bescheidene Künstler ist, scheint Giulia die knallharte und selbstbewusste Agentin zu sein – die zwei Seiten der Richetti-Münze. Vielleicht ist das so ein Zwillingsding.

Wir trinken einen Kaffee. Immerhin sind wir in Italien, und da seit unserem letzten Espresso bereits mehr als 20 Minuten vergangen sind, gibt es eine Runde Segafredo für alle. Alessandros Mutter kommt ab und zu rein, um nach den zwei Fremden zu schauen, die von einem so exotischen Ort wie Wisconsin angereist sind, um mit ihrem Sohn über seine Kunst zu reden, ein Thema, das bei ihr einen gewissen Konflikt auszulösen scheint. Ohne Frage, sie ist sehr stolz auf die Talente ihres Sohnes, allerdings nicht so sehr auf die Tatsache, dass er sie sich auf seiner Haut verewigt hat. Mütter. Madri.

Fragt man die Richettis nach Eugenio, wird schnell klar, dass sich das Konzept von la famiglia weit über ihre Türschwelle hinaus erstreckt. „Wir sind sehr stolz auf ihn“, sagt Giulia. „Es ist erstaunlich mit anzusehen, wie er sich zu einem Profi entwickelt.“

„Als Kind war er etwas fett“, sagt Alessandro mit einem Schmunzeln. „Die Opfer, die er gebracht hat, um so weit zu kommen, sind eine große Inspiration.“

Beflügelt von der Leidenschaft seines Freundes für den Radsport, und beeinflusst von traditionellen Tattoos mit einem unverkennbar italienischen Flair, geht der ruhige Alessandro voll und ganz in seiner Kunst auf. Seine Zeichnungen sind nicht nur quer über den Küchentisch verteilt, sondern sind auch auf der Haut seiner Freunde zu finden. Mittlerweile reagieren die Tätowierer in der Gegend schon etwas empfindlich, wenn wieder mal ein Kunde zu ihnen ins Studio kommt und eine von Alessandros Zeichnungen gestochen haben möchte, die noch dazu am Küchentisch entstanden sind.

Mit ausreichend Koffein im Blut und Pasticcini im Bauch fragen wir Alessandro, ob er nicht Lust hätte, der Welt einen weiteren Gefallen zu tun. Wir haben uns nämlich gedacht, Radsportfans auf der ganzen Welt die Möglichkeit zu geben, ein Paar Bontrager XXX-Schuhe zu gewinnen, die von Alessandro gestaltet wurden. Im Grunde hätte damit also jeder die Chance, ein Paar von Eugenios Schuhen zu gewinnen. Als wir ihm die Schuhkartons überreichen, die wir aus Waterloo mitgebracht haben, sagt Alessandro verhaltend zu. Kurz darauf hält er bereits ein Paar in den Händen, und seine Augen scheinen die noch blasse Lederoberfläche abzutasten, ganz so, als würde er bereits damit beginnen, seine Kunst auf diese ungewöhnliche Leinwand aufzubringen.

Die Gewinner erhalten ihre Schuhe von Trek-Segafredo während des 2015 Giro d'Italia, dem unbestritten wichtigsten Rennen in Alessandros und Eugenios Heimat. Bevor wir Alessandro verlassen und er sich ans Werk machen kann, sprechen wir noch kurz über den Giro und den Zusammenhang zwischen Radsport und Kunst. „Die ähneln sich beide sehr“, erklärt er uns seine Sichtweise. „Wenn du die nötige Leidenschaft an den Tag legst, kannst du dich sowohl im Radsport als auch in der Kunst verwirklichen.“

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